
1. Das Isergebirge
Das Isergebirge ist der westliche Ausläufer des Riesengebirges und
bildet die natürliche Grenze zwischen Böhmen und der Lausitz. Im
Museum veranschaulicht ein großes Gebirgsrelief von Richard Bienert die
topografischen Gegebenheiten: eine Mittelgebirgslandschaft mit
ursprünglich dichter Bewaldung, zahlreichen Flusstälern und
Bachläufen. Felsige Böden und ein raues Gebirgsklima erschweren
Ackerbau und Viehzucht. Handwerk und Industrie finden dagegen günstige
Bedingungen vor: Der Wald liefert Holz, Baumaterial, Brennstoff und
Pottasche. Die Wasserkraft der Gebirgsbäche und -flüsse kann zum
Antrieb von Maschinen genutzt werden.
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Isergebirgslandschaft mit Glasdruckhütte im
Winter |

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2. Wirtschaftsraum Isergebirge
Um 1900 gehörte das Isergebirge zu den Regionen
der österreichisch-ungarischen Monarchie, die
wirtschaftlich am weitesten entwickelt waren. Die Textilherstellung im
Raum Reichenberg und Friedland, die Glas- und Schmuckindustrie in
Gablonz und der Maschinenbau bildeten die Standbeine des
Wirtschaftsraumes Isergebirge.
Die Nachbildung eines "Drückerofens"
veranschaulicht im Museum eine spezifische Technik des Isergebirges: die
sog. Glasdrückerei zur Herstellung von Glaskurzwaren wie Lusterbehang,
Perlen, Steinen und Knöpfen.

Ein nordböhmischer Webstuhl steht für die erfolgreiche
Textilproduktion im Isergebirge, der Herzog Albrecht von Wallenstein
mitten im Dreißigjährigen Krieg eine erste Hochkonjunktur bescherte.
Oldtimer-Fans können sich über einem VW-Käfer aus dem Jahr 1954
freuen. Er verweist auf einen der bedeutendsten Autokonstrukteure –
Ferdinand Porsche, 1875 in Maffersdorf im Isergebirge geboren.

Das Museum informiert außerdem über die erste Fernfahrt in der
Automobilgeschichte, die der Reichenberger Textilfabrikant Theodor von
Liebieg 1894 wagte.
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Baron Theodor von Liebieg, Textilfabrikant und erster
Autofahrer in Reichenberg, mit Carl Benz in Mannheim 1895 |
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Gablonzer Gürtler bei der Schmuckherstellung |
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3. Kulturraum Isergebirge
Dieser Raum präsentiert sich vorläufig noch in einer provisorischen
Aufstellung. Er wird ausgebaut und gestaltet, sobald die nötigen Mittel
zur Verfügung stehen.
Die Sequenz befasst sich mit dem Alltag, dem gesellschaftlichen und
kulturellen Leben im Isergebirge. Die beiden Gegenpole
"Gebirge" und "Stadt" werden gegenüber gestellt:
Der mühsame und arbeitsreiche Alltag im Isergebirgshaus und das weitaus
komfortablere Leben in den selbstbewussten, weltoffenen Handelsstädten.
Es wird außerdem um die Krippen-Tradition des Isergebirges gehen, um
die Hausindustrie der Reichenauer Dosen- und Ölbildmalerei, um Bildende
Kunst, Theater und Architektur. Viel Raum ist für das bunte
Vereinsleben des Isergebirges vorgesehen. Den Höhepunkt wird ein Blick
auf die große Deutsch-böhmische Ausstellung in Reichenberg 1906
bilden.
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Papierkrippe aus dem Isergebirge
(19. Jh.) |
4. Sudetenfrage, Krieg und Vertreibung
Dieser Raum präsentiert sich vorläufig noch in einer
provisorischen Aufstellung.
Er wird ausgebaut und gestaltet, sobald die nötigen Mittel zur
Verfügung stehen.
Der Themenbereich wird die historischen Entwicklungen verfolgen, die
nach 1945 zur Enteignung und Vertreibung von über drei Millionen
Sudetendeutschen aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien führten.
Angefangen vom Nationalismus des 19. Jh. über die Gründung der
Tschechoslowakischen Republik 1918 bis zum Münchner Abkommen von 1938,
das die deutschen Siedlungsgebiete in Böhmen und Mähren dem Deutschen
Reich zuschlug.
Die Abteilung wird die Umstände der Vertreibung thematisieren und
Zeitzeugen zu Wort kommen lassen. Es wird auch um die Aufnahme der
Heimatvertriebenen im Nachkriegsdeutschland und speziell in Kaufbeuren
gehen. Der Besucher soll einen Einblick bekommen in das mühsame Leben
in den Bunkern und Baracken der Kaufbeurer Munitionsfabrik, aus der das
heutige Neugablonz entstand.
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Vertriebene im Sammellager Reichenau |
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5. Neuer Anfang – neues Leben
Der Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz steht als größte geschlossene
Vertriebenenansiedlung im Mittelpunkt, wenn es um das neue Leben der
Heimatvertriebenen geht. Das Museum zeigt den wirtschaftlichen Neuanfang
unter primitivsten Bedingungen, die Schmuckherstellung aus
amerikanischen Konservendosen, Glasscherben oder Kartoffelteig. Das
Trümmergelände der Munitionsfabrik verwandelte sich in einen
Stadtteil, der bis heute von der Erinnerung an die verlorene Heimat
geprägt ist. Parallel zur Zeitgeschichte verdeutlichen Schmuckstücke
aus Neugablonzer Produktion den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Wandel: vom Anhänger aus Blechresten bis zur Gürtelschnalle für
Marlene Dietrich oder dem Verlobungsring von Prinzessin Diana.
Über Neugablonz hinausgehend macht das Isergebirgs-Museum deutlich,
wie Unternehmer, Wissenschaftler und Künstler aus dem Isergebirge die
Kultur nach 1945 mitgeprägt haben: Ferdinand Porsche mit seinem Käfer,
dem Symbol des deutschen Wirtschaftswunders, Otfried Preußler mit
seinen Kinderbüchern, Daniel Swarovski mit seinen Kristallsteinen oder
Claus Josef Riedel mit seinem Weingläsern.
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Modeschmuck made in Neugablonz |
6. Otto-Pohl-Galerie/Sonderausstellungen
Im 2. Obergeschoss präsentiert sich die Otto-Pohl-Galerie mit
einer Auswahl an Gemälden, Grafiken, Skulpturen und Medaillen. Die Sammlung enthält rund 6.000 Arbeiten von Künstlern
aus dem Isergebirge, darunter Hanne Wondrak, Richard Fleißner, Rudolf
Karasek, Franz Kaulfersch, Roman Dressler sowie die Medailleure Arnold
Hartig und Ludwig Hujer.
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Rudolf Karasek:
Wintersonne,
Öl auf Leinwand
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Im Wechsel mit Werken der Galerie finden hier
Sonderausstellungen statt.
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