Drei bekannte Persönlichkeiten aus dem Isergebirge begleiten Sie im Museum auf Ihrem Rundgang. Über Hörstationen können Sie unmittelbar an ihren persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen teilhaben.
Heinz Kleinert
Ofendrücker und Mundartdichter
1927 in Volkersdorf geboren, gestorben am 
3. November 2003 
in Kaufbeuren.
Otfried Preußler
Schriftsteller
1923 in Reichenberg geboren, lebt heute in Stephanskirchen
bei Rosenheim.
Claus Josef Riedel
Glasmacher
1925 in Polaun geboren, gestorben am 17. März 2004 in Kufstein.
 

Und das sind die sechs Themenbereiche des Isergebirgs-Museums, verteilt auf rund 1.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Beim Klick auf die einzelnen Räume erfahren Sie Näheres.


1. Das Isergebirge
Das Isergebirge ist der westliche Ausläufer des Riesengebirges und bildet die natürliche Grenze zwischen Böhmen und der Lausitz. Im Museum veranschaulicht ein großes Gebirgsrelief von Richard Bienert die topografischen Gegebenheiten: eine Mittelgebirgslandschaft mit ursprünglich dichter Bewaldung, zahlreichen Flusstälern und Bachläufen. Felsige Böden und ein raues Gebirgsklima erschweren Ackerbau und Viehzucht. Handwerk und Industrie finden dagegen günstige Bedingungen vor: Der Wald liefert Holz, Baumaterial, Brennstoff und Pottasche. Die Wasserkraft der Gebirgsbäche und -flüsse kann zum Antrieb von Maschinen genutzt werden.

Isergebirgslandschaft mit Glasdruckhütte im Winter

 

2. Wirtschaftsraum Isergebirge
Um 1900 gehörte das Isergebirge zu den Regionen
der österreichisch-ungarischen Monarchie, die wirtschaftlich am weitesten entwickelt waren. Die Textilherstellung im Raum Reichenberg und Friedland, die Glas- und Schmuckindustrie in Gablonz und der Maschinenbau bildeten die Standbeine des Wirtschaftsraumes Isergebirge.

Die Nachbildung eines "Drückerofens" veranschaulicht im Museum eine spezifische Technik des Isergebirges: die sog. Glasdrückerei zur Herstellung von Glaskurzwaren wie Lusterbehang, Perlen, Steinen und Knöpfen.

Ein nordböhmischer Webstuhl steht für die erfolgreiche Textilproduktion im Isergebirge, der Herzog Albrecht von Wallenstein mitten im Dreißigjährigen Krieg eine erste Hochkonjunktur bescherte.

Oldtimer-Fans können sich über einem VW-Käfer aus dem Jahr 1954 freuen. Er verweist auf einen der bedeutendsten Autokonstrukteure – Ferdinand Porsche, 1875 in Maffersdorf im Isergebirge geboren.

Das Museum informiert außerdem über die erste Fernfahrt in der Automobilgeschichte, die der Reichenberger Textilfabrikant Theodor von Liebieg 1894 wagte.

 

Baron Theodor von Liebieg, Textilfabrikant und erster Autofahrer in Reichenberg, mit Carl Benz in Mannheim 1895

Gablonzer Gürtler bei der Schmuckherstellung

3. Kulturraum Isergebirge

Dieser Raum präsentiert sich vorläufig noch in einer provisorischen Aufstellung. Er wird ausgebaut und gestaltet, sobald die nötigen Mittel zur Verfügung stehen.

Die Sequenz befasst sich mit dem Alltag, dem gesellschaftlichen und kulturellen Leben im Isergebirge. Die beiden Gegenpole "Gebirge" und "Stadt" werden gegenüber gestellt: Der mühsame und arbeitsreiche Alltag im Isergebirgshaus und das weitaus komfortablere Leben in den selbstbewussten, weltoffenen Handelsstädten.

Es wird außerdem um die Krippen-Tradition des Isergebirges gehen, um die Hausindustrie der Reichenauer Dosen- und Ölbildmalerei, um Bildende Kunst, Theater und Architektur. Viel Raum ist für das bunte Vereinsleben des Isergebirges vorgesehen. Den Höhepunkt wird ein Blick auf die große Deutsch-böhmische Ausstellung in Reichenberg 1906 bilden.

Papierkrippe aus dem Isergebirge 
(19. Jh.)

4. Sudetenfrage, Krieg und Vertreibung
Dieser Raum präsentiert sich vorläufig noch in einer provisorischen Aufstellung.

Er wird ausgebaut und gestaltet, sobald die nötigen Mittel zur Verfügung stehen.

Der Themenbereich wird die historischen Entwicklungen verfolgen, die nach 1945 zur Enteignung und Vertreibung von über drei Millionen Sudetendeutschen aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien führten. Angefangen vom Nationalismus des 19. Jh. über die Gründung der Tschechoslowakischen Republik 1918 bis zum Münchner Abkommen von 1938, das die deutschen Siedlungsgebiete in Böhmen und Mähren dem Deutschen Reich zuschlug.

Die Abteilung wird die Umstände der Vertreibung thematisieren und Zeitzeugen zu Wort kommen lassen. Es wird auch um die Aufnahme der Heimatvertriebenen im Nachkriegsdeutschland und speziell in Kaufbeuren gehen. Der Besucher soll einen Einblick bekommen in das mühsame Leben in den Bunkern und Baracken der Kaufbeurer Munitionsfabrik, aus der das heutige Neugablonz entstand.

Vertriebene im Sammellager Reichenau

5. Neuer Anfang – neues Leben
Der Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz steht als größte geschlossene Vertriebenenansiedlung im Mittelpunkt, wenn es um das neue Leben der Heimatvertriebenen geht. Das Museum zeigt den wirtschaftlichen Neuanfang unter primitivsten Bedingungen, die Schmuckherstellung aus amerikanischen Konservendosen, Glasscherben oder Kartoffelteig. Das Trümmergelände der Munitionsfabrik verwandelte sich in einen Stadtteil, der bis heute von der Erinnerung an die verlorene Heimat geprägt ist. Parallel zur Zeitgeschichte verdeutlichen Schmuckstücke aus Neugablonzer Produktion den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel: vom Anhänger aus Blechresten bis zur Gürtelschnalle für Marlene Dietrich oder dem Verlobungsring von Prinzessin Diana.

Über Neugablonz hinausgehend macht das Isergebirgs-Museum deutlich, wie Unternehmer, Wissenschaftler und Künstler aus dem Isergebirge die Kultur nach 1945 mitgeprägt haben: Ferdinand Porsche mit seinem Käfer, dem Symbol des deutschen Wirtschaftswunders, Otfried Preußler mit seinen Kinderbüchern, Daniel Swarovski mit seinen Kristallsteinen oder Claus Josef Riedel mit seinem Weingläsern.

Modeschmuck made in Neugablonz

6. Otto-Pohl-Galerie/Sonderausstellungen
Im 2. Obergeschoss präsentiert sich die Otto-Pohl-Galerie mit einer Auswahl an Gemälden, Grafiken, Skulpturen und Medaillen. Die Sammlung enthält rund 6.000 Arbeiten von Künstlern aus dem Isergebirge, darunter Hanne Wondrak, Richard Fleißner, Rudolf Karasek, Franz Kaulfersch, Roman Dressler sowie die Medailleure Arnold Hartig und Ludwig Hujer.

                   

Rudolf Karasek:
Wintersonne, 
Öl auf Leinwand

Im Wechsel mit Werken der Galerie finden hier Sonderausstellungen statt.